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KI in der Praxis: Assistenz zeigen, Verantwortung behalten
Eine aktuelle Befragung zeigt: Akzeptanz entsteht eher, wenn KI eine klar begrenzte Assistenzrolle hat und ein Mensch verantwortlich bleibt.
Für diesen Artikel wurde generative KI als Werkzeug bei der Recherche, beim Schreiben und bei der Prüfung eingesetzt. Ein Mensch hat den Artikel vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft und freigegeben. Mehr zu unserem Umgang mit KI.
Digitale Praxisangebote werden oft mit Geschwindigkeit beworben: rund um die Uhr erreichbar, Antworten in Sekunden, weniger Wartezeit. Doch wer schnell antwortet, übernimmt damit noch keine medizinische Verantwortung.
Für Praxen ist deshalb nicht nur entscheidend, ob sie KI einsetzen. Entscheidend ist, an welcher Stelle das System arbeitet, wie Ergebnisse geprüft werden und wie Patientinnen und Patienten einen Menschen erreichen.
Was die Befragung zeigt
In einer von der Debeka beauftragten und von Civey durchgeführten Onlinebefragung sahen 43,7 Prozent der Befragten KI vor allem als Unterstützung für Ärztinnen und Ärzte. 38,9 Prozent nannten die Auswertung von Befunden oder Laborwerten als sinnvolles Einsatzfeld. Nur 5,2 Prozent hielten KI für eine sinnvolle erste Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten.
Bei überschaubaren Fragen war die Zustimmung größer: 20,5 Prozent nannten Präventionsthemen wie Ernährung, 18,4 Prozent das Einordnen leichter Symptome. Deutlich zurückhaltender waren die Befragten bei Krebsdiagnosen, psychischen Krisen sowie akuten Beschwerden wie Brustschmerzen oder Atemnot.
Die Erhebung lief vom 5. bis 12. Mai 2026. Befragt wurden 5.000 Erwachsene sowie 2.500 Menschen, die online nach Gesundheitsinformationen suchen. Die Ergebnisse wurden repräsentativ gewichtet; der angegebene statistische Fehler beträgt je nach Gesamtergebnis 2,6 bis 3,4 Prozentpunkte.
Was sie nicht zeigt
Die Zahlen messen Einstellungen, nicht Sicherheit, diagnostische Güte oder Behandlungsergebnisse. Sie sagen auch nicht, ob ein bestimmtes Produkt für eine konkrete Praxis geeignet ist. Zudem handelt es sich um eine auftraggeberfinanzierte Onlinebefragung.
Ihr Nutzen liegt daher nicht in einem Qualitätsurteil über KI. Die Ergebnisse zeigen vielmehr, unter welchen Bedingungen Kommunikation eher Vertrauen schafft: begrenzter Auftrag, sichtbare menschliche Kontrolle und klarer Eskalationsweg.
Vier Regeln für digitale Praxisangebote
- Die Rolle konkret benennen. Erklären Sie, ob das System sortiert, formuliert, erinnert oder eine Entscheidung vorbereitet.
- Grenzen und Notfallweg zeigen. Diagnosen, individuelle Therapieentscheidungen und akute Beschwerden brauchen einen eindeutig beschriebenen menschlichen Weg.
- Prüfung und Zuständigkeit nennen. Beschreiben Sie, wer das Ergebnis kontrolliert und wann ein Mensch übernimmt.
- Den Datenfluss erklären. Welche Daten werden wofür verarbeitet, wer erhält sie und wie lange werden sie gespeichert? „DSGVO-konform“ allein beantwortet diese Fragen nicht.
Vom Versprechen zum Ablauf
Ein kontrollierter Einsatz lässt sich als Ablauf beschreiben: Das System übernimmt eine eng definierte Aufgabe, kennzeichnet sein Ergebnis, ein zuständiger Mensch prüft es nach festgelegten Kriterien und übernimmt bei Unsicherheit. Für zeitkritische oder potenziell gefährliche Beschwerden braucht es einen Weg außerhalb des KI-Systems.
Das gilt auch für scheinbar harmlose Funktionen. Eine automatisch formulierte Antwort kann einen falschen Eindruck von Verbindlichkeit erzeugen. Eine digitale Anamnese kann Warnzeichen übersehen, wenn niemand festgelegt hat, wann sie eskaliert wird.
Der praktische Test
- Verstehen Patientinnen und Patienten in zehn Sekunden, was das System kann?
- Erkennen sie ebenso schnell, was es nicht darf?
- Ist klar, wer Ergebnisse wann prüft?
- Ist verständlich, welche Daten wohin fließen?
- Ist der Weg zu einem Menschen und bei Notfällen eindeutig?
Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass eine Praxis KI möglichst groß ankündigt. Es entsteht, wenn sie die Grenzen genauso präzise erklärt wie den Nutzen.