Magazin

PVS-Vergleich 2026: Welche Praxissoftware passt zu welcher Praxis?

Hersteller, Marken, Fachrichtungen, Versionen und Erfahrungen: eine filterbare Übersicht deutscher Praxisverwaltungssysteme.

Für diesen Artikel wurde generative KI als Werkzeug bei der Recherche, beim Schreiben und bei der Prüfung eingesetzt. Ein Mensch hat den Artikel vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft und freigegeben. Mehr zu unserem Umgang mit KI.

Von: Martin Falk
Geprüft von: Claudia Rehm, Clara Winter, Daniel Berger
Recherche- und Versionsstand: 31. August 2026

Eine Praxis sucht ein neues PVS. Also vergleicht sie Funktionen, Preise und vielleicht noch drei hübsche Screenshots. Das klingt vernünftig – ungefähr so vernünftig wie der Kauf eines Hauses nach Türgriffen, Monatsrate und Farbe des Exposés.

Ein Praxisverwaltungssystem ist kein einzelnes Programm. Es ist Abrechnungssystem, Patientenakte, TI-Schaltzentrale, Dokumentenablage, Geräteverteiler und zunehmend Kommunikationsplattform. Es bestimmt, wie schnell eine MFA arbeitet, welche Daten beim Wechsel mitkommen und ob eine neue Funktion integriert wird oder als siebtes Fenster nebenherläuft. Die Oberfläche sieht man jeden Tag. Die Architektur bemerkt man meist erst, wenn sie im Weg steht.

Dieser Vergleich ordnet eine redaktionelle Auswahl in Deutschland eingesetzter PVS-Marken ein. Er ist weder eine vollständige Marktübersicht noch eine Kauf-Rangliste. Die KBV führt mehr als 100 Softwaresysteme. Ihre Installationsstatistik basiert auf den mit der KV-Abrechnung übermittelten Prüfnummern; die KBV weist ausdrücklich darauf hin, dass sie den tatsächlichen Markt nicht exakt abbildet. Regional und je Fachgruppe unterscheiden sich die Installationen stark. Berücksichtigt werden hier überregionale Generalisten und fachlich wichtige Speziallösungen, die in KBV-/KZBV-Statistiken oder im Zi-PVS-Monitoring erscheinen. Krankenhausinformationssysteme und reine Termin-, Abrechnungs- oder Dokumentationslösungen bleiben außen vor.

Die kurze Antwort vor der langen Tabelle

  • T2med, tomedo, DURIA, PegaMed und kleinere Systeme schneiden im Zi-Monitoring bei Benutzerfreundlichkeit beziehungsweise Weiterempfehlung vergleichsweise gut ab. Kleine Fallzahlen und unterschiedliche Praxistypen verbieten trotzdem den Satz „Testsieger für alle“.
  • CGM ALBIS, MEDISTAR, TURBOMED und M1 PRO gehören zu den verbreiteten und funktionsreichen Bestandswelten, lagen im veröffentlichten 2026-Vergleich aber am unteren Ende der Benutzerfreundlichkeit. Reichweite ist eben ein Marktmerkmal, kein Usability-Zertifikat.
  • Fachspezialisten wie psyprax, ELEFANT, EPIKUR, FIDUS oder IFA-AUGENARZT können für ihre Zielgruppe sinnvoller sein als der glänzendste Generalist.
  • Versionstransparenz ist uneinheitlich. Einige Anbieter veröffentlichen detaillierte Changelogs; andere zeigen Updates erst im Kundenbereich. „Keine öffentliche Version gefunden“ heißt nicht „veraltet“, sondern zunächst: von außen nicht prüfbar.
  • KI ist meist Zusatzmodul oder Randfunktion. Entscheidend ist nicht das KI-Logo, sondern ob Ergebnisse strukturiert in Karteikarte, Brief, Abrechnung und Freigabeprozess landen.

Filterbare PVS-Marktübersicht

Die Spalten haben unterschiedliche Evidenztypen: Produktprofil und Version stammen möglichst aus Herstellerquellen; das Bewertungssignal fasst die 2025 erhobene Zi-Befragung zusammen. Das Zi bezog 32 Systeme mit zusammen 77,4 Prozent Marktanteil und mindestens sechs Bewertungen je System ein. Sechs Bewertungen reichen für ein Orientierungssignal, nicht für ein belastbares Qualitätsurteil über alle Installationen. Nicht genannte Systeme sind nicht automatisch schlechter; für sie fehlt hier lediglich ein vergleichbares veröffentlichtes Signal.

Hersteller / MarkeTypische EignungÖffentlich belegter VersionsstandErweiterbarkeit, KI, ZukunftBewertungssignal 2026
CGM
ALBIS
breiter Generalist; Einzelpraxis bis größere StrukturVersion 26.45 durch ein Herstellerseminar für den 4. November 2026 angekündigt; produktiven Stand der Praxis prüfen.großes CGM-/CLICKDOC-Ökosystem; optionaler KI-DokuAssistent; viele Module, dadurch auch Abhängigkeitenim Zi-Vergleich unter den Schlusslichtern der Benutzerfreundlichkeit
CGM
MEDISTAR
starker Bestand bei Haus- und vielen Facharztpraxenlaufende Quartalsupdates; öffentliche aktuelle Buildnummer nicht eindeutig auffindbarbreites Modul- und Partnerangebot; TI, Patientenkommunikation und KI-Zusätze aus einer Gruppeim Zi-Vergleich unter den Schlusslichtern
CGM
TURBOMED
Generalist in drei Editionen; viele BestandsinstallationenSonderupdate 26.3.1.7049 vom 17. Juli 2026; das reguläre Q3/2026-Quartalsupdate war am 31. August laut Herstellerseite vorübergehend nicht als Download verfügbarBASIS/PRO/PREMIUM, CGM-Erweiterungen und TI-Module; Modul- und Kostenstruktur genau prüfenim Zi-Vergleich unter den Schlusslichtern
CGM
M1 PRO
Haus- und Facharztpraxen, größere Organisationsformenlaufend gepflegt; aktuelle Version überwiegend im KundenkanalCGM-Module, Archiv, Kommunikation und KI-Erweiterungen; Integrationsvorteil innerhalb des Ökosystemsim Zi-Vergleich unter den Schlusslichtern
CGM
DATA VITAL
Bestandsprodukt für ambulante Praxenkeine belastbare frei zugängliche aktuelle Buildnummer gefundenBestandsintegration im CGM-Portfolio; Entwicklungsplan und Migrationspfad schriftlich erfragen2026 keine belastbare Einzelwertung mit ausreichender Transparenz in den genutzten Quellen
medatixx
medatixx
moderner Generalist; Praxis und kleinere Verbündeautomatische Updates; konkrete Buildnummer wird öffentlich nicht als einheitlicher Release-Stand geführtHybrid-/Cloud-Komponenten, Patienten-App und Add-ons; gute Basis für schrittweise Digitalisierungim Monitoring vertreten, aber nicht in veröffentlichter Top- oder Schlussgruppe
medatixx
x.isynet / x.vianova
Facharztpraxen, MVZ und Ambulanzen; viele Fachmodule26.2.76 für Q2/2026 öffentlich; neuere Pakete können im Kundenkanal liegenbreite Facharzt- und Verbundfunktion; klassische Plattform mit wachsendem Web-/Add-on-Umfeldkeine veröffentlichte Spitzen- oder Schlussposition
medatixx
x.concept
Generalist sowie Ambulanz-/MVZ-EditionFeature-Update 26.4 als Vorabversion angekündigtumfangreiche Module, Archiv und Webtermin; Ausbau bestehender Architekturkeine veröffentlichte Spitzen- oder Schlussposition
medatixx
x.comfort / EL
klassische ambulante Praxis; EL mit gewachsenem BestandQuartalsupdates 2026; frei sichtbare Buildstände je Produkt uneinheitlichetabliertes Add-on-Angebot; Zukunftspfad und Funktionsparität zum Kernprodukt erfragenkeine veröffentlichte Spitzen- oder Schlussposition
medatixx
psyx
Psychotherapielaufende Quartalsupdates; aktuelle Buildnummer im Servicebereichfachspezifische Abläufe, eingebettet in medatixx-Angebotnicht als veröffentlichte Top- oder Schlussgruppe ausgewiesen
zollsoft
tomedo
viele Fachgruppen; Apple-orientierte Praxen und größere Strukturenöffentlich auffindbar: Client v1.167.0.22 im Juni 2026; laufender Changelog, tatsächlicher Stand kann neuer seinenge Apple-Integration, großes Modulangebot, Patientenkommunikation und KI-Projekte; Hardwarestrategie mitbewertenTopgruppe bei Weiterempfehlung und Benutzerfreundlichkeit
zollsoft
tomedo.dental
Zahnarztpraxisfortlaufende Releases; kein einheitlicher frei sichtbarer aktueller Buildstandjunges Dentalprodukt, Apple-Ökosystem; Tiefe der Abrechnung und Geräteanbindung im Echtbetrieb prüfenfür eine eigenständige 2026-Rangposition fehlen vergleichbare Daten
T2med
T2med
fachgruppenübergreifend; Einzelpraxis bis MVZVersion 26.8 vom 4. August 2026 öffentlich dokumentiertregelmäßige Releases, mobile Patienten-App, viele Funktionen in der Softwarepflege statt als EinzelmodulTopgruppe bei Benutzerfreundlichkeit und Weiterempfehlung
DURIA eG
DURIA
Generalist, Netze und größere Verbündelaufende 2026-Pflege; aktuelle Buildnummer öffentlich nicht verlässlich auffindbargenossenschaftlicher Hersteller, modulare und netzfähige Ausrichtung; Schnittstellen konkret testenTopgruppe bei Benutzerfreundlichkeit und Weiterempfehlung
INDAMED
MEDICAL OFFICE
Einzelpraxis bis MVZ, viele Fachrichtungenlaufende Quartalsupdates; keine eindeutig frei sichtbare aktuelle BuildnummerINDAMED 1994 gegründet; MEDICAL OFFICE seit 1998 unter diesem Namen; modulare Architektur und breite Geräte-/Schnittstellenanbindungkeine veröffentlichte Top- oder Schlussposition
FREY ADV
QUINCY WIN
Generalist; in mehreren Fachgruppen verbreitetlaufende Quartalsversionen; aktuelle Buildnummer im Kundenbereichgewachsene Windows-Lösung mit Modulen; Modernisierungs- und Schnittstellenroadmap erfragenkeine veröffentlichte Top- oder Schlussposition
RED Medical
RED medical
web-/cloudorientierte Praxen, mehrere FachgruppenContinuous Delivery; klassische Quartals-Buildnummer öffentlich nicht maßgeblichbrowserbasierter Ansatz und zentrale Updates; Ausfallszenario, Export und Offlineprozesse besonders prüfenim Zi-Vergleich unter den Schlusslichtern der Benutzerfreundlichkeit
Epikur
EPIKUR
Psychotherapie, Psychiatrie und ausgewählte ärztliche Bereichelaufende 2026-Updates; frei sichtbare aktuelle Buildnummer nicht gefundenstarke Fachlogik und digitale Zusatzangebote; Generalistenfunktionen sind nicht der Hauptzweckkeine veröffentlichte Spitzen- oder Schlussposition
psyprax
psyprax
Psychotherapielaufende Quartalsupdates; aktuelle Version kundenseitigkonzentrierter Fachworkflow; Zukunftsfähigkeit an Export, TI-Umsetzung und Onlineprozessen messenbreit installiert in Psychotherapie; keine veröffentlichte Top-5-Empfehlung 2026
HASOMED
ELEFANT
Psychotherapielaufende Pflege; aktuelle Buildnummer nicht frei verifiziertetablierter Fachworkflow und Therapiesoftware-Umfeldbreit installiert; keine veröffentlichte Top-5-Empfehlung 2026
New Media Company
SMARTY
Psychotherapielaufende 2026-Pflege; aktuelle Buildnummer öffentlich nicht eindeutigfokussierter Fachumfang; Schnittstellen und Datenexport vor Kauf praktisch prüfenTopgruppe bei Benutzerfreundlichkeit
PEGA Elektronik
PegaMed
Generalist; auch in einzelnen Fachgruppen präsentlaufende Pflege; aktuelle Buildnummer nicht frei verifiziertkleineres Anbieterumfeld kann Nähe schaffen, aber Vertretung, Entwicklungsplan und Partnernetz prüfenTopgruppe bei Benutzerfreundlichkeit und Weiterempfehlung
MEDYS
MEDYS
fachgruppenübergreifend; auch Spezialbereichelaufende 2026-Pflege; aktuelle Buildnummer öffentlich nicht eindeutigmodularer Ansatz; Integrationen anhand eigener Geräte- und Laborlandschaft testenTopgruppe bei Benutzerfreundlichkeit
FIDUS
FIDUS
Augenheilkundelaufende fachbezogene Releases; aktuelle Buildnummer nicht frei verifizierttiefe ophthalmologische Spezialisierung und Gerätebezug; Anbieter- und Exportstrategie mitprüfenstark in ophthalmologischen Installationsstatistiken; keine vergleichbare Top-5-Wertung
ifa systems
IFA-AUGENARZT
Augenheilkundelaufende Releases; aktuelle Buildnummer nicht frei verifiziertophthalmologische Geräte- und Kliniknähe; Cloud-, Export- und Schnittstellenroadmap erfragenrelevanter Fachanbieter; keine vergleichbare veröffentlichte Top-5-Wertung
S3 Praxiscomputer
S3
besonders HNO, außerdem weitere Fachgruppenlaufende Pflege; aktuelle Buildnummer nicht frei verifiziertfachspezifische Workflows und Geräteanbindung; Zukunftsplan schriftlich abfragenregional/fachlich relevant; keine veröffentlichte Top- oder Schlussgruppe
CGM Dentalsysteme
Z1 / Z1.PRO
ZahnarztpraxisVersion 2.96 für Q3/2026 öffentlich dokumentiertgroßes Dental- und CGM-Ökosystem; Module, Gerätepartner und Folgekosten zusammen betrachtenZi-Arztpraxismonitoring nicht direkt auf Dental übertragbar
Dampsoft
DS-Win
Zahnarztpraxislaufende Updates; aktuellen Build im Kundenbereich prüfenetabliertes Dental-Ökosystem mit Zusatzlösungen; Cloud- und KI-Entwicklungsplan konkretisieren lassenKZBV-Eignung ist kein Usability-Ranking
EVIDENT
EVIDENT
Zahnarztpraxis und größere Dentalstrukturenlaufende Updates; aktuellen Build im Kundenbereich prüfenDentalfokus, Abrechnung und Organisationsmodule; Geräte- und Datenexport praktisch testenKZBV-Eignung ist kein Usability-Ranking

So lesen Sie die Versionsspalte: Sie nennt den jüngsten frei auffindbaren, belastbaren Herstellerhinweis – nicht zwingend den neuesten intern ausgelieferten Hotfix. Bei kontinuierlich aktualisierten Cloud-Systemen ist eine klassische Versionsnummer wenig aussagekräftig. Die Praxis sollte vor Vertragsschluss den aktuellen produktiven Stand, Release Notes, Supportdauer und Rollback-Verfahren schriftlich anfordern.

Warum es nicht „den besten Hersteller“ gibt

Die Systeme lösen mindestens vier verschiedene Aufgabenklassen:

  1. Generalisten müssen von Hausarzt bis Orthopädie vieles ausreichend gut können. Dazu gehören ALBIS, MEDISTAR, TURBOMED, M1 PRO, medatixx, x.isynet, T2med, tomedo, DURIA und MEDICAL OFFICE.
  2. Fachspezialisten optimieren einen engeren Ablauf: etwa FIDUS und IFA-AUGENARZT für die Augenheilkunde oder psyprax, ELEFANT, EPIKUR und SMARTY für Psychotherapie.
  3. Verbundsysteme müssen Rechte, Standorte, Abrechnungseinheiten und zentrale Administration beherrschen. Eine nette Einzelplatzdemo sagt darüber ungefähr so viel aus wie eine Probefahrt über den Parkplatz über die Langstreckentauglichkeit.
  4. Dental-PVS folgen eigener Abrechnungslogik und KZBV-Eignungsfeststellung. Ein gutes ärztliches PVS-Ranking lässt sich nicht einfach auf Zahnarztsoftware übertragen.

Die Folge: Eine Rangliste ohne Praxistyp belohnt Bekanntheit oder eine gefällige Demo. Eine belastbare Auswahl beginnt mit den fünf häufigsten Arbeitsabläufen der eigenen Praxis.

Was Rezensionen wirklich sagen – und was nicht

Das Zi lud 2025 mehr als 95.000 Praxisinhaber zur Befragung ein; 32 Systeme mit zusammen 77,4 Prozent Marktanteil erreichten mindestens sechs Bewertungen. In der veröffentlichten Auswertung lagen unter anderem T2med, DURIA, PegaMed, tomedo, SMARTY und MEDYS bei der Benutzerfreundlichkeit weit vorn. Bei der Weiterempfehlung führten Praxis-Programm, tomedo, DURIA, T2med und PegaMed. Am unteren Ende der Benutzerfreundlichkeit standen ALBIS, MEDISTAR, TURBOMED, M1 PRO, MEDVISION und RED Medical.

Die namentlichen Rangpositionen werden hier über die veröffentlichte Zusammenfassung des Virchowbunds zu den Zi-Ergebnissen wiedergegeben; Stichprobe und Kennzahlen stammen aus Veröffentlichungen von Zi und KBV. Es handelt sich um Nutzerurteile, nicht um eine technische Zertifizierung. Sie messen weder Funktionsvollständigkeit noch Datenportabilität oder Gesamtbetriebskosten.

Das ist relevant – aber kein Laborversuch. Praxen unterscheiden sich nach Fachgebiet, Größe, installierten Modulen, Servicepartner und Migrationsgeschichte. Ein altes System mit exzellent eingespieltem Team kann produktiver sein als ein moderner Neubau, den niemand konfiguriert hat. Umgekehrt ist die Vertrautheit mit Tastenkürzeln allein kein Beleg für Zukunftsfähigkeit.

Die übergreifenden Klagen sind eindeutiger: Das Zi nennt mangelnde Nutzerfreundlichkeit und hohe Lizenzkosten als zentrale Wechselgründe; 52 Prozent der Wechselwilligen nennen unzureichenden Support, jeweils 46 Prozent versteckte Preissteigerungen und hohe Wartungskosten. Gleichzeitig fürchten mehr als 40 Prozent Probleme bei der Datenmigration. Der Wechsel ist deshalb selten eine Produkt-, sondern eine Transformationsentscheidung.

Seit wann gibt es die Anbieter?

Das Gründungsjahr allein misst keine Modernität. Es zeigt aber, ob Produkt und Unternehmen dasselbe Alter haben – oder ob ein älteres Produkt später in eine größere Gruppe übernommen wurde.

  • CompuGroup Medical entstand aus einer seit 1987 aufgebauten Unternehmensgruppe; die heutigen CGM-Marken haben jeweils eigene Vorgeschichten. Das erklärt die große installierte Basis und das breite Ökosystem, aber auch unterschiedliche Bedienlogiken.
  • medatixx bündelt mehrere traditionsreiche Produktlinien. Mehr als 48.000 Ärzte und Psychotherapeuten nutzen laut Branchenverband eines der Systeme des Hauses. Die Herausforderung ist weniger Reichweite als die klare Entwicklungsplan zwischen Kernprodukt und gewachsenen Linien.
  • zollsoft wurde 2011 als familiengeführtes Unternehmen gegründet; tomedo entstand aus dem konkreten Bedarf ärztlicher Praxen und wuchs stark im Apple-Umfeld.
  • INDAMED wurde 1994 von Ärzten gegründet; MEDICAL OFFICE ist seit 1998 unter diesem Namen im Markt.
  • Bei kleineren und spezialisierten Anbietern ist das Alter oft weniger wichtig als Nachfolgeplanung, Entwicklerkapazität, Supportvertretung und ein dokumentierter Datenexport.

Erweiterbarkeit: Schnittstelle schlägt Prospekt

„Offene Schnittstelle“ kann drei Dinge bedeuten: Es gibt eine dokumentierte API. Es gibt eine Schnittstelle, aber nur für ausgewählte Partner. Oder es gibt eine PDF mit einer E-Mail-Adresse, an die man sehr hoffnungsvoll schreiben darf.

Vor einer Auswahl sollte die Praxis für jede benötigte Integration klären:

  • Werden Termine, Stammdaten, Dokumente und strukturierte medizinische Daten lesend und schreibend unterstützt?
  • Ist die Schnittstelle standardisiert, etwa über FHIR, oder herstellerspezifisch?
  • Wer schließt den Vertrag: Praxis, PVS-Anbieter oder Drittanbieter?
  • Welche einmaligen und laufenden Kosten entstehen?
  • Was passiert bei einem Update auf einer Seite?
  • Gibt es ein Testsystem und einen benannten Verantwortlichen?
  • Lassen sich sämtliche Daten samt Anhängen, Metadaten und Protokollen exportieren?

Eine gute Integration spart Klicks. Eine schlechte Integration erzeugt zwei Wahrheiten und einen Mitarbeiter, der sie jeden Freitag abgleicht.

KI: Fragen Sie nach dem Weg zurück

2026 werben mehrere Anbieter mit KI-gestützter Dokumentation, Telefonie, Briefentwürfen oder Prozessassistenz. Das kann nützlich sein. Zukunftsfähig ist eine KI-Funktion aber erst, wenn sechs Punkte beantwortet sind:

  1. Welche Daten verlassen Praxis oder PVS-Umgebung?
  2. Wer ist Auftragsverarbeiter und wo erfolgt die Verarbeitung?
  3. Wird mit Praxisdaten trainiert?
  4. Muss ein Mensch jeden Entwurf freigeben?
  5. Wird das Ergebnis strukturiert gespeichert oder nur als Textblock?
  6. Bleiben Daten und Workflow exportierbar, wenn das Zusatzmodul gekündigt wird?

Das KI-Symbol auf der Startseite ist billig. Ein sauberer, auditierbarer Freigabeprozess ist das Produkt.

Die bessere PVS-Auswahl in vier Terminen

1. Prozessinventur statt Wunschliste

Dokumentieren Sie eine Woche lang Reibung: Anmeldung, Karteikarte, Verordnung, Labor, Befund, Abrechnung, Telefon, ePA, KIM und Dokumentenablage. Priorisieren Sie die zehn teuersten oder häufigsten Probleme.

2. Gleiche Livefälle bei allen Anbietern

Lassen Sie nicht die Standarddemo zeigen. Geben Sie jedem Anbieter dieselben fünf anonymisierten Szenarien: Neupatient, komplexer Bestandspatient, ePA-Dokument, Laborbefund und Quartalsabrechnung. Messen Sie Klicks, Zeit, Medienbrüche und Rückfragen.

3. Migration als eigenes Angebot

Verlangen Sie eine Feldliste: Was kommt vollständig, teilweise oder gar nicht mit? Testen Sie Karteikarten, Diagnosen, Medikamente, Dokumente, Bilder, Abrechnungsdaten, Termine und Benutzerrechte an einer Stichprobe. Lassen Sie den Export über die PVS-Archivierungs- und Wechselschnittstelle (PVS-AWS) einschließlich Anhängen, Metadaten und Protokoll sowie einen Testimport beim Zielsystem vorführen. Klären Sie schriftlich, wie Daten übertragen werden, die von der Schnittstelle nicht abgedeckt sind. Definieren Sie Abnahme, Nachbesserung und Rückfallplan.

4. Vertrag und Zukunftsprobe

Lassen Sie sich Gesamtpreis über fünf Jahre, Preisanpassung, Mindestlaufzeit, Supportzeiten, Updateverfahren, Exitkosten, Exportformat und Produktroadmap nennen. Prüfen Sie außerdem, ob der Hersteller an der freiwilligen KBV-Rahmenvereinbarung nach § 332b SGB V teilnimmt. Sie umfasst unter anderem Nutzerfreundlichkeit, Preistransparenz und Sicherheitsinformationen, ersetzt aber nicht den Praxistest. Sprechen Sie anschließend mit mindestens zwei Referenzpraxen derselben Fachgruppe und Größe – ohne Vertriebsmitarbeiter im Gespräch.

Fazit: Kaufen Sie einen Veränderungspfad

Ein PVS ist dann zukunftsfähig, wenn die Praxis neue Pflichtanwendungen, Patientenkanäle und Assistenzfunktionen integrieren kann, ohne jedes Mal den Betrieb neu zu erfinden. Dafür zählen Release-Transparenz, Schnittstellen, Datenportabilität, Support und ein glaubwürdiger Migrationspfad mehr als die längste Funktionsliste.

Die richtige Frage lautet deshalb nicht: „Welches PVS hat alles?“ Sie lautet: „Welches System löst unsere wichtigsten Abläufe heute – und lässt uns morgen noch die Wahl?“ Wer darauf eine belegbare Antwort bekommt, hat mehr als Software ausgewählt. Wer nur eine beeindruckende Demo bekommt, hat immerhin einen sehr schönen Nachmittag gehabt.

Aktualisierungshistorie

  • 31. August 2026: Marktmethodik, Aussagegrenzen des Zi-Monitorings und Auswahlhilfe geschärft. Öffentlich belegte Versionsstände von ALBIS, TURBOMED, T2med und Z1/Z1.PRO aktualisiert beziehungsweise präzisiert; PVS-AWS und KBV-Rahmenvereinbarung ergänzt. Wertende Krankheitsmetapher entfernt.
  • 30. August 2026: Erster Wartungslauf eingerichtet. KBV-Installationsstatistiken und PVS-Zulassungsübersichten, KZBV-Hersteller- und EDV-Statistik sowie das Zi-PVS-Monitoring wurden erneut geprüft. Da der Beitrag am selben Tag veröffentlicht wurde, ergaben sich keine neueren belastbaren Anbieter-, Versions- oder Bewertungsdaten; Aussagen und Tabelle blieben inhaltlich unverändert. Die Wartungs- und Quellenlogik wurde für künftige Aktualisierungen dokumentiert.

Quellen